Vorfahren der Familie Ligensa
zusammengestellt von E. W.
vermutlich in den 60er Jahren
Vorwort
Auf den folgenden Seiten soll einiges über die Vorfahren der Familie Ligensa wiedergegeben werden, soweit es der heutige Stand der Nachforschungen zulässt. Die Ahnentafel auf Blatt 3 baut ausschließlich auf geretteten Unterlagen auf. Was auf den Blättern 4 bis 8 über Verwandte von Vorfahren und über Träger des gleichen Familiennamen gesagt ist, beruht auf Forschungen der letzten Jahre. Wenn äußere Form und Stil dieser kleinen Schrift viel zu wünschen übrig lassen, möge der geneigte Leser zugute halten, dass sie in drei Tagen entstanden ist, damit sie noch rechtzeitig zum Familientreffen vorliegt.
Ahnentafel der Familie Ligensa

Ligensa
Im 15. Jahrhundert tritt in der Gegend von Beuthen eine Adelsfamilie Ligendza auf, die sich nach ihrem Stammsitz Brobek nennt. Diese Ligendza von Bobrek sind sicher nicht mit unseren Ligensas verwandt.
Als erster bürgerlicher Vertreter unseres Namens wird ein Hammerschied Ligensa aus Bogutschützer Hammer (dem späteren Kattowitz) erwähnt, um dessen Nachlass im Jahre 1600 ein Streit entbrannte. 1770 lebte in Gleiwitz der Bürgersohn Andreas Ligensa. Da im Gleiwitzer Bürgerverzeichnis von 1601 kein Ligensa erscheint, ist anzunehmen, dass die Familie erst nach diesem Zeitpunkt in die Stadt zog.
Guardian des Klosters in Gleiwitz war um 1800 ein Bartholomäus Ligensa, vermutlich ein Verwandter des Valentin Ligensa (Nr. 16 der Ahnentafel).
Galbiers
Valentin Ligensa war mit Katharina Galbiers verheiratet (Nr. 17 der Ahnentafel). Aus dieser Familie sind mehrere Geistliche bekannt.
Georg Galbiers ist 1729 bis 1738 Vikar an der Gleiwitzer Pfarrkirche.
Andreas Galbiers, geb. in Gleiwitz am 17.11.1746, war 1759 Schüler am Gymnasium Rauden. Er trat in den Zisterzienserorden ein, studierte Theologie und war seit 1798 als "Gerhard VI." Abt des Klosters Rauden. Nach der Aufhebung des Klosters im Jahre 1810 lebte er in Gleiwitz, wo er am 16.7.1819 an Altersschwäche starb. Begraben wurde er in der Pfarrkirche Rauden. Er vermachte der Pfarrkirche Gleiwitz 80 Thaler, den Schulen 100 Thlr., den Armen 100 Thlr. Sicher war er ein Verwandter der obigen Katharine.
Georg Galbiers ist 1758 Schüler in Rauden, 1807 amtiert er als Pfarrer in Ostroppa.
Eine Familie Galbiers saß auch in Trynek, Krs. Gleiwitz. Thomas Galbiers aus Trynek ist 1783 Schüler des Gymnasiums Rauden, 1788 studiert er Theologie und tritt später unter dem Namen "Gerhard" in das Zisterzienserkloster ein. Johann Georg Galbiers, um 1805 in Trynek geboren, macht 1826 am Gleiwitzer Gymnasium das Abitur, studiert Theologie und stirbt am 28.8.1866 als Pfarrer von Jeschona.
Ciupka (Cziupka)
Der Schmied Joseph Ciupka (Nr. 18 der Ahnentafel) dürfte um 1770 in Gleiwitz geboren sein. Hier wird 1744 die Witwe des Schlossers Cziupka erwähnt, der die Stadt 20 Thaler schuldete.
Ein Franz Cziupka war 1783 Schüler des Gymnasiums Rauden, er wurde später als Pater Dominikus Zisterzienser in Himmelwitz.
Ciupkas lebten auch in Myslowitz, wo 1850 der Bäcker Anton Ciupka vorkommt.
Mikliss
Franz Mikliss (Nr. 48 der Ahnentafel) dürfte vor 1760 in Schiedlow (Krs. Falkenberg) geboren sein. Die Mikliss saßen nachweislich bereits viel früher in diesem Dorf. Im Jahre 1650 wird Christoph Aloys Mikliss in Schiedlow geboren. Er studiert in Neiße und in Warschau Theologie, ist zunächst Pfarrer in Dombrau, seit 1686 ist er Pfarrer in Leschnitz.
Mikliss treten auch in Oppeln auf. Andreas Mikliss besitzt in dieser Stadt ein Haus, er ist 1722 bis 1746 Ratsherr. Um 1700 leben Aloys Mikliss und sein Sohn Franz in Oppeln.
Mehrere Träger des Namens waren in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Akzise- (Stadtsteuer-) Beamte. Anton Mikliss ist Akzisebeschauer, zunächst in Tost, seit 1806 in Oppeln, 1814 wird er zum Akzisekontrolleur befördert. Ein anderer, dessen Vorname nicht genannt wird, ist Akziseeinnehmer in Bauerwitz, wo ihm am 15.7.1813 ein Sohn Heinrich Franz Anton geboren wird. 1819 wird der Akziserendant Mikliss in Leobschütz zum Hauptakzisekontrolleur befördert.
Olschowka
Der Lehrer Franz Olschowka (Nr. 14 der Ahnentafel) wird im Kirchenbucheintrag von 1823 über die Trauung "aus Raschütz" genannt (Raschütz bei Ratibor). Das kann bedeuten, dass er dorther stammt. Nach dem damaligen Sprachgebrauch ist es aber auch möglich, dass er nur von Raschütz nach Nikolai gekommen war, wo erJosepha von Holly heiratete.
Olschowkas (Olszowkas) kamen im 18. Jahrhundert in Beuthen vor. Joseph O., ein Tuchmacher, ist 1730, 1732 und 1744 Schützenkönig. Wilhelm O. und Josef O. werden 1743 bzw. 1744 als Ratsherrn erwähnt. Josef O. ist 1676 Schützenkönig. Max O., ein Tuchmacher, war der Schützenkönig in den Jahren 1768 und 1777. 1775 tritt Paul Olszowka auf.
Im vergangenen [19.] Jahrhundert lebten Olschowkas in Oppeln. Viktor O. aus dieser Stadt machte 1879 das Abitur und studierte anschließend Theologie.
Nach einer Familienüberlieferung unterrichtete ein Olschowka, vermutlich ein Nachfahre des obigen Franz, als Hauslehrer die Kinder eines polnischen Grafen. Dabei verliebte er sich in die junge Komtess. Als ihr Vater die zarten Bande zwischen seinem bürgerlichen Angestellten und seiner Tochter bemerkte, geriet er in fürchterlichen Zorn und wollte den jungen Mann in der ersten Wut erschießen. Doch vermochte die väterliche Missbilligung einer solchen Mesalliance die Zuneigung der jungen Leute auf die Dauer nicht zu unterdrücken. Offenbar saß Amors Pfeil zu tief. Nach Jahren führte unser Olschowka schließlich doch seine Komtess zum Traualtar.
Von Holly
Josepha von Holly (Nr. 15 der Ahnentafel) wurde um 1795 vermutlich als Tochter eines (österreichischen?) Offiziers geboren. In erster Ehe heiratete sie Johann Tillauer. Am 15. September 1823 heiratete sie als 28jährige Witwe den gleichaltrigen Schullehrer Franz Olschowka. Trauzeugen waren Wilhelm Adami und Joseph Bardtke. Bei Wilhelm Adami handelt es sich entweder um den damaligen Bürgermeister oder seinen Sohn, der eine Apotheke in Nikolai besaß. Joseph Bardtke war Aktuarius am Nikolaier Stadtgericht. Die Stellung der Trauzeugen lässt darauf schließen, dass das Ehepaar Olschowka-von Holly zu den ersten Familien der Stadt gezählt wurde.
Josepha von Holly brachte nach einer Familienüberlieferung Grundbesitz in die zweite Ehe ein, den Franz Olschowka verwaltete. Bei dem geringen Einkommen eines Lehrers in damaliger Zeit waren die Pachtzinsen aus diesem Besitz sicher eine erwünschte zusätzliche Einnahmequelle, auch wenn es sich vielleicht nur um ein kleines Gut oder gar nur um einen kleinen Bauernhof oder ein größeres Ackerstück handelte.
Am 27.11.1838 wurde den Eheleuten in Paprotzan eine Tochter Amalie Maria geboren. Taufpaten waren am 4.12.1838 in der Pfarrkirche zu Tychy Franziska von Thun und Friedrich Kiß. Auch diese beiden Taufpaten sprechen für das Ansehen, das die Eheleute Olschowka genossen. Franziska von Thun war vermutlich eine Tochter des Majors und Landrats Ludwig von Thun. Die Thuns besaßen u. a. in Gardawitz, Krs. Pleß ein Gut. Friedirch Kiß, geb. 1795, gest. 1857 in Nikolai, war Hauptmann und Bürgermeister von Nikolai. Sein jüngerer Bruder August war ein berühmter Bildhauer.
Am 20. Dezember 1878 starb Josepha Olschowka, geb. von Holly in Bogutschütz. Ihren Tod zeigte der Inwohner Johann Koczurek der Jüngere dem Standesamt Zawodzie an. (Zawodzie war eine an Bogutschütz angeschlossene neue Siedlung.) Ob dieser Koczurek ein Verwandter, vielleicht ein Enkel, der Josepha war, bleibt dahingestellt. Fest steht lediglich, dass Anna Amalia Mikliss am 28.4.1868 in Bogutschütz geboren wurde, am gleichen Ort, in dem Josepha Olschowka zehn Jahre später starb.
Josepha stammte nach der Familienüberlieferung aus einer verarmten Offiziersfamilie. Bisher war nicht zu ermitteln, wer ihre Eltern waren. Um 1800 traten neun Offiziere von Holly in der preußischen Armee auf, die meisten hatten keinen oder nur ganz geringen Grundbesitz. Auch in der österreichischen Armee jener Zeit gibt es mehrere Offiziere von Holly. Wer von diesen Männern ihr Vater war, wird sich vielleicht noch im Laufe dieser Zeit ermitteln lassen.
Eine bisher noch unbewiesene Vermutung weist auf Kranowitz (Kranstädt südlich von Ratibor) als Herkunftsort der Josepha von Holly. Dort ist Valentin Holy, geb. 1806, gest. 1806, von 1774 bis 1784 Bürgermeister. Ein Sohn Jakob, geb. 1767, +18.4.1814, der Verwalter von Schammerwitz bei kranowitz war, heiratete um 1795 die Tochter Josefa des Inspektors von Schammerwitz. 1809 erscheint Jakob als Stadtschreiber. Er könnte vielleicht Josephas Vater gewesen sein.
In der Sterbebucheintragung der Pfarrkirche von Bogutschütz wird Josepha als "geborene Holly von Belk" bezeichnet. Da der Belker Zweig nach allem, was über ihn bekannt ist, streng katholisch war, wurde er sicher, wie der größte Teil des oberschlesischen Adels, von der preußischen Regierung mit harten Steuern und sonstigen Repressalien bedrängt, sodass er schließlich gezwungen war, seinen Besitz zu verkaufen. Die männlichen Nachfahren des Belker Zweiges der Holly traten meist in die preußische Armee ein. Josepha Holly könnte durchaus die Tochter eines dieser Offiziere gewesen sein.
Auf alle Fälle war Josepha eine Nachfahrin des Ahnherrn der Holly, jenes Nikolaus Holly, der um 1400 in Polen geboren wurde, nach Schlesien zog und 1439 durch die Heirat mit Offka von Ponientzitz deren Abgut Ponientschütz (bei Ratibor) erwarb. Nikolaus kaufte die benachbarten Güter Slawikau, Glinik und Blazeowitz hinzu, wurde Rat, Marschall und Hofmeister der Herzöge von Ratibor und starb um 1470. Sein Sohn und seine Enkel erwarben weiteren Grundbesitz und bekleideten ebenfalls hohe Landesämter.
Nikolaus Holy gehörte zum polnischen Geschlecht der Leszczycz, das zu den vornehmsten und ältesten Polens zählt. Mitglieder dieses Geschlechts bekleideten hohe Ämter im polnischen Reiche, und nicht weniger als sieben Bischöfe und Erzbischöfe verschiedener polnischer Bistümer aus dem Stamm Leszczycz sind aus der Zeit zwischen 1100 und 1400 bekannt.
Josepha von Holly stammte also aus einer sehr alten, vornehmen Familie, die sich ihrer Herkunft sehr wohl bewusst war, wie aus der Geschichte des Geschlechts immer wieder hervorgeht.
Weitere Nachforschungen werden im Laufe der Jahre sicher zu neuen Erkenntnissen führen.