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Kindheit in Baitzen

Neiße und Mühlgraben hatten aber auch ihre guten Seiten. Im Sommer boten sie Badefreuden, besonders oberhalb der Neißebrücke, wo beide Gewässer nur durch eine schmale Wiese getrennt waren, im Raschken und am Pegelhaus. Dort wurde übrigens der tägliche Wasserstand geprüft und dem zuständigen Wasseramte mitgeteilt. Diese Aufgabe hatte die Familie Kuschel übernommen.

Im Winter, wenn beide Flüsse zugefroren waren, kam das Schlittschuhfahren an die Reihe. Auf dem Pateltteich, doch mehr noch auf dem Fuhrichteich im Niederdorf, wurde Eishockey gespielt, allerdings mit selbstfabrizierten Stöcken und mit Blechbüchsen. Die Winterfreude beschränkte sich nicht nur aufs Schlittschuhfahren – Ski und Rodelschlitten waren noch mehr gefragt. Baitzen bot ja viele Möglichkeiten: Kuschelberg, Haukebergel, Bleischwitzberg sowie in Klein-Baitzen Kahler- und Fellerbergel und außerdem den schönen Schromberg auf der anderen Neißeseite.


Zu Zeiten des Herrn Pfarrer Schütte konnten die Schulkinder am St. Martins-Tag ihre Schulschnitten zu Hause lassen. Der Herr Pfarrer spendierte an diesem Tage jedem Kind zwei Martinihörnchen.

Am Ostersonntag nach dem Segen versammelten sich alle Kinder auf dem Pfarrhof zum Ostereiersuchen. War das eine Emsigkeit.

Im Pfarrhaus befand sich auch eine reichhaltige Pfarrbibliothek, von den Kindern besonders eifrig aufgesucht.


Siegel der Pfarrei Baitzen


Bau der Umgehungsstraße

Im Frühjahr 1939 wurde mit dem Bau einer Umgehungsstraße begonnen. Sie sollte in Klein-Baitzen, hinter Probst, von der bisherigen Straße abzweigen, in leichtem Einschnitt durch den Mühlacker und in tiefem Einschnitt durch den Bleischwitz-Berg führen. Über die Kleinbahnstrecke war der Bau einer Brücke vorgesehen. Der weitere Verlauf der Strecke sah einen Damm vor, der in Höhe des Pegelhäuschens an die Patschkauer Chaussee anschloss. Wochenlang schallten in der Mittagszeit die Sprengdetonationen über das Dorf. Der Fels durch den Bleischwitzberg musste gesprengt werden.

Die neue Trasse war fast fertig, da wurden die Arbeiten eingestellt. Der Zweite Weltkrieg hatte begonnen.


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